Faszinierende Autofahrer-Tipps aus dem vorigen Jahrhundert

Heute präsentieren wir Ihnen, werte Leserinnen und Leser, ein besonderes Stück automobiler Zeitgeschichte. Unser „Fundstück der Woche“ trägt den klangvollen Titel „Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus)“ und stammt aus einer Zeit, als das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte: 1912 verfasste „Zivilingenieur“ Adolf König mit der ersten Auflage dieses rund 400 Seiten starken Buches eine ebenso detailreiche wie allumfassende Anleitung für den richtigen Umgang mit dem neuen, motorisierten Gefährt. Auch die zehnte Auflage von 19271 bietet jede Menge nützlicher Tipps – von der korrekten Wagenpflege über richtiges Ankurbeln, Kuppeln und Bremsen bis hin zu technischem Fachwissen. Das Buch nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise ins frühe 20. Jahrhundert und zieht den Leser dabei tief in seinen Bann. So mancher Expertentipp von damals dürfte dem modernen Autofahrer von heute freilich ein neckisches Grinsen ins Gesicht zaubern.

Stellen Sie sich vor, der Teleporter hätte tatsächlich den Sprung aus dem Science-Fiction-Epos Star Trek in die Realität geschafft. Sie könnten sich also jederzeit überallhin beamen. Eben noch in Buxtehude, jetzt schon auf den Bahamas. Eine faszinierende Vorstellung, nicht wahr? Aber sollten Sie sich vorher nicht einmal kurz mit der Bedienung Ihres Teleporters vertraut machen? Wer will schon aus Versehen statt auf den Bahamas im sibirischen Barabinsk landen – bibbernd mit Badehose bei minus 20 Grad? „Beam mich hoch, Scotty“ – wenn’s doch nur so einfach wäre.

Sie sehen: Mit wegweisenden Innovationen ist es immer so eine Sache. Sie machen das Leben meist um ein Vielfaches leichter und besser – vorausgesetzt, man weiß mit ihnen umzugehen. Eine Anleitung muss her, die den richtigen Umgang mit dem neuen „Zauberwerkzeug“ erklärt. Was für uns heute der Teleporter wäre, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts für unsere Vorfahren das Automobil. Seine Erfindung lag nur wenige Jahre zurück – zu den Pionieren zählte seinerzeit auch Louis Renault, der 1898 mit der „Voiturette“ die Welt in Staunen versetzte. Bis dato war die Pferdekutsche für die Mehrzahl der Menschen die Krönung der individuellen Mobilität.

Zeitloser Leitsatz für
den verantwortungsvollen Autofahrer

Eine Anleitung fürs Auto musste her. Das dachte sich auch Adolf König und veröffentlichte 1912 sein Buch über den richtigen Umgang mit dem Automobil. Der Mann wusste, wovon er schrieb, war er doch „öffentlich angestellter beeidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeuge im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Berlin“ sowie „beeidigter Sachverständiger für das Kammergericht, die Landgerichte I, II, III Berlin und behördlich anerkannter Fahrlehrer“.2 Gleich auf einer der ersten Seiten prangt der wichtigste Leitsatz für den verantwortungsvollen Autofahrer: „Ein Kraftwagenführer muß mit der Geschicklichkeit den Wagen sicher zu führen und genauer Kenntnis der Einrichtung desselben ein großes Maß von Vorsicht und Besonnenheit sowie Achtung vor der öffentlichen Ordnung und den Mitmenschen vereinigen.“ Ein Satz, der rund 100 Jahre später noch so aktuell ist wie damals.

Aber was genau hat es eigentlich mit dem Automobil auf sich? Hierzu schreibt König: „Der Kraftwagen besteht aus zwei Hauptteilen, dem Fahrgestell und dem Wagenaufbau oder der Karosserie. Das Fahrgestell ist der weitaus wertvollere Teil, da er bei allen Wagen 3/4 – 2/3 des Kaufpreises ausmacht, die Karosserie nur 1/4 – 1/3.“ Was folgt, ist eine ansehnliche Bebilderung der unterschiedlichen Karosserieformen anno 1927. Doch wir blättern weiter und widmen uns dem Thema Vortrieb. „Wenn man einen Wagen vermittelst eines Motors dauernd fortbewegen will, so läßt sich das am praktischsten dadurch machen, daß man den Motor die Wagenräder drehen läßt wie bei den Lokomotiven.“ Interessant: Schon damals war neben Vorderrad- und Hinterradantrieb auch der Allradantrieb verbreitet. „Große Wagen werden auch mit Vierräderantrieb gebaut, jedoch nur ganz vereinzelt für Spezialfahrzeuge, die in sandigen Gegenden, z.B. in afrikanischen Ländern, benutzt werden.“

Elektromobilität anno 1927

Was viele nicht wissen: Auch Elektroautos waren Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Straßen unterwegs. Hier zählte Renault schon früh zu den Vorreitern, zum Beispiel mit dem Juvaquatre. Gemäß König bietet diese Antriebsform zahlreiche Vorteile: „Wenn die Kraftquelle zum Antrieb des Wagens eine Dampfmaschine oder ein Elektromotor ist, so stellt sich die Kraftübertragung auf die Räder viel einfacher“.3 Dennoch habe sich der Verbrennungsmotor durchgesetzt. „Trotz dieser wesentlichen Mängel des Verbrennungsmotors hat er sich bisher am besten als Kraftfahrzeugmotor geeignet und hat die anderen oben genannten Motoren, welche früher verhältnismäßig mehr verwendet wurden, mehr und mehr verdrängt.“ Den Grund hierfür liefert König gleich mit: „Letztere sind mit ihrem Zubehör (Dampfkessel bzw. Akkumulator) zu schwer. Außerdem hat die Dampfmaschine den großen Nachteil, daß sie nicht zu jeder Zeit sofort betriebsfertig ist und der elektrische Betrieb hat den großen Nachteil, daß er sich nicht für ununterbrochenen Betrieb eignet, denn nach selten mehr als 100 km Fahrstrecke müssen die Akkumulatoren wieder frisch aufgeladen oder umgetauscht werden“.4

Was Adolf König freilich nicht wissen konnte: Heute ermöglichen die 100% elektrischen Z.E. Modelle von Renault Reichweiten von bis zu 400 Kilometer5. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Automobil Tipps aus dem vorigen Jahrhundert

Immer ruhig mit den wilden Pferden:
Auskuppeln und Bremsen zügeln den Vortrieb

Für die ganz praktischen Fragen des Autofahrerlebens hat König ebenfalls eine Fülle von nützlichen Ratschlägen parat. Zum Thema Abbremsen schreibt der Experte: „Wenn man mit einem Pferdefuhrwerk fährt und es kommt irgendein Hindernis, so daß man die Fahrgeschwindigkeit schnell vermindern oder anhalten muß, so hält man vermittelst der Zügel die Pferde zurück und bremst nötigenfalls. Die Zügel vertritt beim Kraftwagen die Kupplung. (…) Durch einen Fußdruck auf diesen Kupplungshebel schaltet man die Kupplung aus, d.h. man trennt dadurch den Motor vollständig von der Kraftübertragung. (…) Wenn der Motor ausgekuppelt ist oder leerläuft, so wird natürlich der Wagen sich bald auslaufen, und wenn man nun noch eine der beiden Bremsen des Wagens benutzt, wird er um so schneller zum Stehen kommen.“6

Was tun, wenn
„der Wagen sozusagen die Absicht zu schleudern hat“?

Auch für heikle Situationen sind Leser der „Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus)“ bestens gewappnet. So gibt Adolf König unter anderem Tipps, wie sich der Fahrer verhalten sollte, wenn das Auto „schleudert“, „schiebt“ oder „schwimmt“: „Man muß sofort mit Beginn des Gleitens drosseln und erst wieder Gas geben, wenn der Wagen durch geschicktes Gegenlenken wieder die gerade Richtung hat, langsamer läuft und der Lenkung sicher gehorcht. Anfänger bemerken den Beginn des Gleitens meist zu spät und stellen das Gas zu spät ab. Bei starkem, gefährlichen Gleiten muß man die Bremsen vorsichtig anziehen, man darf aber (…) nicht plötzlich scharf bremsen, weil dadurch die Hinterräder entlastet werden. (…) Ein geübter Fahrer merkt schon an dem Lenkrad und der Straßenbeschaffenheit, wenn der Wagen sozusagen die Absicht zu schleudern hat, und arbeitet dem entgegen.“7

Bitte immer recht ordentlich:
So wird richtig geputzt und eingeölt

Last but not least wollen wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten, wie es sich anno 1927 geziemte, das Fahrzeuginnere zu pflegen. Hierzu rät der Meister der Kraftfahrlehre: „Es ist eine schlechte Empfehlung für den Wagenführer, wenn die Falten der Lederpolsterung durch einen hellen Streifen, von Staub gebildet, schon von weitem erkennbar sind, oder wenn in einem geschlossenen Wagen dem Fahrgast ein Gegenstand auf die Tuchpolsterung fällt und der weißliche Staub wolkenartig den Garniturstoff verläßt. Soll die Säuberung der Polsterung des Wagens vorgenommen werden, so nehme man die Sitzkissen heraus, entferne bei Lederausführung mittels einer weichen Bürste den Staub aus den Lederfalten, wasche dann das Leder mit einem weichen Fensterleder ab, wonach das Abtrocknen, ebenfalls mit einem Fensterleder, erfolgt.“8 Ein schlechtes Vorbild gibt zudem ab, wer sein Automobil nicht regelmäßig einölt: „Ein großer Teil der Fahrer ist nicht genügend von der unbedingten Notwendigkeit durchdrungen, daß alle in Bewegung befindlichen Teile (…) sehr sorgfältig geschmiert werden. (…) Die richtige Ölung eines Wagens dauert lange, viel länger, als man gemeinhin annimmt, d.h., wenn man die Sache gründlich machen will.“9

Es gäbe noch viel mehr interessante Tipps und Tricks aus den Anfängen des Autofahrerlebens. Wer sich dafür interessiert: Das Buch „Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus)“ kann auf diversen Online-Portalen auch antiquarisch für kleines Geld erworben werden.

1 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927).
2 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 3.
3 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 27.
4 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 28.
5 Quelle: Nach NEFZ homologierte Reichweite von bis zu 400 km für die neue Z.E. 40 Batterie (41 kWh). Der NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) ist ein standardisiertes europäisches Emissions- und Verbrauchsmessverfahren für Verbrennungs- und Elektrofahrzeuge und dient zu Vergleichszwecken. Auf dem Rollenprüfstand wird dreimal ein innerstädtischer Zyklus (ECE-15) gefahren und einmal ein außerstädtischer. Der Durchschnitt aller vier Zyklen ergibt die Reichweite nach NEFZ. Faktoren wie Fahrweise, Geschwindigkeit, Topografie, Zuladung, Außentemperatur und Nutzungsgrad elektrischer Verbraucher haben Einfluss auf die tatsächliche Reichweite. Die meisten Faktoren können vom Fahrer beeinflusst und sollten zugunsten maximaler Reichweite stets berücksichtigt werden.
6 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 29f.
7 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 88f.
8 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 311.
9 Quelle: Kraftfahrlehre (Chauffeurkursus), Berlin W62, Richard Carl Schmidt & Co., Zehnte, verbesserte Auflage (1927), S. 312.

(Stand 5/2018, Irrtümer vorbehalten)

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Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch, den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen können dem ‚Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der bei allen Renault Partnern und bei der Deutsche Automobil Treuhand (DAT) unentgeltlich erhältlich ist. Der Leitfaden steht außerdem als Download zur Verfügung.

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